Fell ausbürsten und schneiden ist besser als abscheren

Abscheren ist das Schlimmste was ihr eurem Hund antun könnt!
Lasst eure Hunde nicht abscheren – pflegt sie lieber richtig!

Damit das Fell richtig „arbeiten“ kann,
ist die Fellpflege für alle Rassen sehr wichtig,
Foto: fotolia

Warum soll der Hund nicht geschoren werden?

Diese Frage stellt sich immer wieder in meinem Hundestudio, wenn Herrchen oder Frauchen mit ihrem vierbeinigen Liebling zu mir kommen. Viele möchten ihren Hund "abscheren" lassen, damit er im Sommer nicht so schwitzen muss. Einige sind auch der Meinung, dass sich der Hund dann "besser fühlt".

Ein weit verbreiteter Irrtum unter vielen Hundehaltern. Der Hund reguliert seinen Temperaturhaushalt nicht wie der Mensch über die Haut sondern verschafft seinem Körper Abkühlung über seine Zunge durch Hecheln und reguliert seine Körpertemperatur über seine Pfoten (Ballen) und deshalb sind Stinkepfoten keine Seltenheit bei unseren Vierbeinern.

Hunde, die ein zweischichtiges Fell besitzen, z.B. Golden Retriever, Leonberger, Möpse, Hütehunde, Labradore, Schäferhunde oder auch Huskys, sollten niemals abgeschoren werden.

"Double Coated", das zweischichtige Fell, besteht aus Deckhaar und Unterwolle.



Nach dem Ausbürsten kommt die abgestorbene Unterwolle
zum Vorschein und dann noch schön in Form schneiden. Es ist kein (ab)scheren erforderlich
Foto: Hundestudio „Lieblingshund“

Durch das Ausbürsten des Felles mit dem richtigen Werkzeug wird die abgestorbene Unterwolle entfernt. Wenn die Unterwolle nicht regelmäßig und vollständig entfernt wird, kommt es tatsächlich vor, dass es dem Hund bei hohen Temperaturen zu heiß wird. Eine Durchlüftung des Fells ist nicht mehr bis auf die Haut möglich und es kommt zu einem Hitzestau. Die natürliche Klimaanlage funktioniert nicht mehr.

Das Deckhaar schützt den Hund vor Sonne, Hitze, Nässe und Schmutz.

Wird das Deckhaar durch eine Schur entfernt, ist die wichtigste Funktion des Felles nicht mehr vorhanden und kann so den Schutz vor Sonne, Hitze, Nässe und Schmutz nicht mehr erfüllen (die Klimaanlage funktioniert nicht mehr). Die Haut des Hundes ist somit nicht mehr vor den Umwelteinflüssen geschützt!

Ein leichter Zugang zur Haut ermöglicht einen erhöhten Befall von Parasiten und Zecken. Ein Sonnenbrand ist somit schon vorprogrammiert.

Die tote Unterwolle bleibt beim Scheren weiterhin an der Haut. Eine Schur bietet dem Hund höchstens kurzfristig eine Erleichterung, denn das eigentliche Problem - die heiße, tote Unterwolle - wurde nicht entfernt. Stattdessen fehlt nun auch noch das Deckhaar, das vor Sonnenbrand schützt. Hierdurch besteht auch eine hohe Gefahr von Hautkrebs.

Die Folge ist, dass der Hund, genauso wie der Mensch, der sich mit nackter Haut ohne Schutz in der prallen Sonne aufhält, vor und nach dem Spazierengehen mit Sonnschutzcreme eingecremt werden muss.
Daraus ergibt sich schon das nächste Problem: Die Haut des Hunde kann allergisch gegen diese Cremes reagieren. Durch wiederholtes Abscheren wird das Fell beim Nachwachsen immer dichter und verfilzt noch schneller. Auch wird dadurch  immer mehr wärmende Unterwolle produziert, so dass die Hitze mehr als nötig gestaut wird. Der Hund fühlt sich unwohl und wird sehr unruhig.

 

 Geschnittener (oben) und geschorener Malteser (unten) Foto: fotolia

 Was lernen wir daraus:

Unterwäsche(wolle) ausziehen! Oder tragen Sie im Sommer Skiunterwäsche?

Damit Ihr Hund eine nachhaltige Erleichterung bekommt, sollte man mit den richtigen Bürsten und Kämmen das Fell von der alten Unterwolle befreien, damit die Haut wieder atmen kann.
Nicht die Länge des Fells spielt eine Rolle, sondern die freie Luftzirkulation zur Haut. Es ist um ein Vielfaches wichtiger und sinnvoller, das Fell an der Haut gesund und frei von toter Wolle zu halten, als das Fell in der Länge massiv zu kürzen.

Wenn Sie sich unsicher sind, gehen Sie zu Hundefriseur ihres Vertrauens und fragen Sie ihn um Rat. Erkundigen Sie sich vorher, wie der Hundefriseur Ihren Hund von der Unterwolle befreien wird. Sollte er von abscheren oder scheren sprechen, lassen Sie sich nicht dazu überreden! Es geht nicht darum, schnell den Hund vom Fell zu befreien, sondern um ein fachgerechtes Befreien von der Unterwolle und ein vernünftiges Kürzen des Fells.

Die Fell(Haar)pflege steht im Mittelpunkt, egal ob kurzes oder langes Haar, so wie es auch beim Menschen der Fall ist.

Sollten Sie Ihren Hund selber von der Unterwolle befreien wollen, erkundigen Sie sich in einem Fachgeschäft oder einem verantwortungsbewussten Hundefriseur nach den richtigen Bürsten. Nehmen sie nicht gleich die erste beste Bürste aus dem Discounter, denn Sie könnten Ihren Hund damit verletzen.

Was ist also zu tun?

Hunde mit langem Fell benötigen besondere Fellpflege,
viel Kämmen, damit das Fell nicht verfilzt
Foto: fotolia

Man sollte den Hund als Erstes komplett entfilzen (falls nötig) und vorsichtig durchbürsten. Eine Entfilzungsbürste löst Verfilzungen, lockert und entfernt fest sitzende Unterwolle. Anschließend mit einem breitzinkigen Kamm die restliche Unterwolle entfernen.

Bitte beachten, dass niemals Gewalt angewendet wird, denn man reißt sonst dem Hund das Fell aus und verletzt ihn dadurch. Verfilzungen sind sehr hartnäckig. Im Falle von sehr starken Verfilzungen sollte man lieber den Hundefriseur besuchen, denn dort hat man entsprechendes Werkzeug und biologische Mittel, um so das Fell von der Verfilzung zu befreien.

Bei längerem Fell, z.B. bei Leonbergern, Golden Retrievern, Huskys, Hütehunden, Schäferhunden etc. sollte man den allseits beliebten „Furminator“ nicht verwenden, da dieser nicht die Unterwolle entfernt, sondern das Deckhaar kappt. Dadurch entsteht Haarbruch im Fell. Der Furminator ist nur bei Hunden mit sehr kurzem Fell, wie Mops, Labrador u.ä. zu empfehlen.

Nur für das Entfilzen und Ausbürsten muss selbst beim Hundefrisör mit einem Zeitaufwand von bis zwei Stundengerechnet werden, je nach Verfilzungsgrad und Größe des Hundes.

Meine Empfehlung:

Gehen Sie zunächst mit Ihrem Hund zu einem Hundefriseur. Bestehen Sie darauf, dass Ihr Hund nicht abgeschoren wird. Ausnahme: Es ist aus medizinischen Gründen (nach Absprache mit dem Tierarzt) erforderlich.

Überlassen Sie die Arbeit dem Hundefriseur, denn er hat seine Arbeit gelernt.

Ihr Liebling wird es Ihnen danken!

Ein Tipp zum Schluss:

Gehen Sie so früh wie möglich (schon im Welpenalter) mit Ihrem vierbeinigen Familienmitglied zum Hundefriseur. Durch ein langsames und behutsames heranführen des kleinen Welpen an das Baden, Föhnen, Bürsten und Schneiden gewöhnt sich der Hund schnell an die Umgebung und weiß genau, dass ihm hier niemand etwas Böses will. So ist es für alle Beteiligten ein entspannter und erholsamer Besuch bei „seinem Coiffeur“.

 

Sandra Faber

Hundestudio „Lieblingshund“

Ostermünchen

www.lieblingshund-styling.de

 

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© Carmen Schmid