Hallo zusammen,

erst mal möchten Bonnie und ich uns ganz herzlich dafür bedanken, dass wir die Gelegenheit bekommen, auf diesem tollen Blog über das Thema Therapiebegleithundeausbildung und unsere Arbeit zu berichten.

Schon im Vorfeld möchte ich klar stellen, dass es, gerade bei diesem Thema, so viel mehr als schwarz und weiß gibt, und mein Blog Beitrag hier lediglich meine Meinung und meine Erfahrungen wieder gibt.

 Zunächst einmal kurz zu uns:

Ich bin Britta und bin Sozialpädagogin. Seit 2012 bereichert die fast 4 jährige Australian Shepherd Hündin Bonnie mein Leben. Anfang 2014 haben wir die Prüfung zum Therapiebegleithundeteam bestanden. Gemeinsam haben wir 3 Jahre lang mit Menschen mit Behinderung gearbeitet, bevor wir im November 2015 in die Flüchtlingshilfe gewechselt haben. Seit Dezember 2016 gehört Chazzy, eine kleine Papillon Dame zu meinem Team.

 Aber von Anfang an:

Schon in den letzten Semestern meines Studiums hörte ich über Kommilitoninnen von der Möglichkeit, Hunde bei der Arbeit mit Klienten einzusetzen und über die unglaublichen Wirkungen, die die Hunde haben. Ich war sofort Feuer und Flamme. Seit dem Tod unserer Collie-Mix Hündin, als ich noch ein Kind war, stand für mich fest, dass ich wieder einen Hund haben werde, wenn meine Lebenssituation dies endlich zulassen würde. Diese neuen Erkenntnisse öffneten mir schließlich die letzten Türen, die ich gebraucht hatte.

 Nachdem ich auch die Zusage meiner Einrichtung für eine Festanstellung hatte und die Leitung unter gewissen Auflagen, der Anschaffung eines Hundes zugestimmt hatte, ging die Suche nach dem geeigneten Hund los.

Die erste Frage, die sich stellt, ist natürlich: Rassehund oder Tierschutz? An dieser Stelle möchte ich zunächst klar stellen, dass es sehr viele unglaublich tolle Hunde aus dem Tierschutz gibt, die gemeinsam mit ihren Besitzern eine wahnsinns Arbeit leisten. Dennoch entschied ich mich für den Welpen vom Züchter. Warum? Ganz einfach: Ich wollte genau wissen, was mein Hund in den ersten Wochen seines Lebens kennen gelernt hat, wo seine Defizite und Unsicherheiten, aber auch seine Stärken lagen. Dabei habe ich mich bewusst gegen Golden Retriever und Labrador entschieden. Diese Rassen waren mir schlicht und ergreifend zu Klischee. Ich hatte nicht das Gefühl, dass das die passenden Rassen für mich wären. Und hier komme ich auch schon zu einem wichtigen Punkt: Grundsätzlich sind ALLE Rassen für eine Ausbildung zum Therapiebegleithund geeignet. Sicher gibt es Rassen, bei denen sich überdurchschnittlich viele Vertreter dafür eignen und umgekehrt. Am allerwichtigsten ist jedoch, dass die ausgewählte Rasse, beziehungsweise der ausgewählte Hund zum eigenen Leben und als treuer Begleiter an der Seite des zukünftigen Besitzers passt. Das schließt, Aussehen, Größe, Charaktereigenschaften, Fellstruktur, Farbe und so viel mehr mit ein. Denn wenn aus verschiedenen möglichen Gründen eine Ausbildung oder spätere Arbeit mit dem Hund nicht möglich ist, ist und bleibt der Hund ein Familienhund/Begleiter. Wer plant, den Hund abzugeben, wenn es mit der Arbeit nicht klappt, sollte sich am besten keinen zulegen, denn eine Garantie gibt es nicht. Ich informierte mich über viele Rassen und blieb beim Aussie hängen. Hübsch, langes Fell, mittelgroß, aktiv, robust und extrem lernwillig – genau das wonach ich gesucht hatte.

 Als sich die Frage nach einem Zweithund stellte und die Entscheidung dafür gefallen war, war schnell klar, dass es ein kleiner Hund sein sollte. Erstens kann ich Platzmäßig keinen zweiten großen Hund halten und zweitens ist für mich ein kleiner Hund die optimale Ergänzung zu der mittelgroßen Bonnie. Chazzy kann auf dem Schoß sitzen und wirkt auf zurückhaltende Klienten oft sehr viel vertrauenserweckender als die wesentlich größere Bonnie. Das konnte ich auch bei meiner Arbeit beobachten. Jugendliche, die bei Bonnie eher zögerlich sind, gehen sehr gern auf die kleine Chazzy zu und entwickeln zu ihr schnell ein Vertrauensverhältnis.

 Nun, wie wählt man den passenden Welpen für sich aus? Ich habe mich viel auf die Meinung und die genauen Beobachtungen meiner Züchterin verlassen. Natürlich war es ein Rückschlag, als sie mich beim Besuch der 4 Wochen alten Welpen drauf ansprach, dass sie mir empfehlen würde, meine Entscheidung zu überdenken, da sie mit all ihrer Erfahrung zu diesem Zeitpunkt schon der Meinung war, dass der ursprünglich von mir ausgewählte Welpe vom Charakter her nicht für eine solche Arbeit geeignet wäre. Trotzdem vertraute ich ihr und entschied mich um - eine der besten Entscheidungen meines Lebens!

Auch bei der Auswahl von Chazzy wurde die, wirklich tolle, Züchterin von mir ganz schön in die Pflicht genommen :-) Ich schickte ihr sogar eine Liste mit Punkten, die ich für wichtig hielt, im Vorfeld zu testen :-) Dazu gehörten zum Beispiel die Reaktion auf laute Geräusche und Kinder. Ich bin wirklich unglaublich dankbar, dass Chazzys Züchterin Britta Kalff das so unglaublich geduldig mit mir mitgemacht hat! Am Ende stellte sich heraus, das tatsächlich Chazzy am besten für mich geeignet ist, so wie es schon von ihrer Züchterin mit knapp 2 Wochen eingeschätzt wurde.

Heraus kam ein wundervoller, bestens auf das Leben und seine Herausforderungen vorbereiteter Welpe, für den alles selbstverständlich ist.

 Bei der Auswahl eines Hundes sind für mich einige Punkte zu beachten. Am Wichtigsten finde ich, dass der Welpe/Hund unbefangen und gerne auf Menschen zu geht und ihm auch Körperkontakt nichts ausmacht. Außerdem sollte der Hund gut mit Futter oder Spielzeug zu motivieren sein, da dies für die Lernschritte und auch später für die Arbeit wichtig ist. Außerdem sollte man genau hin schauen, wie der Hund mit Stress und unbekannten Situationen umgeht. Ein zukünftiger Therapiebegleithund braucht ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit und Stressresistenz. Nicht auszudenken, dass beim hinein gehen in eine Einrichtung hinter dem Hund eine Tür zu knallt und der Hund erstens nicht mehr arbeitet und zweitens beim nächsten Besuch schon gar nicht mehr hinein geht. Blöd gelaufen? Ja, aber es wird im Arbeitsleben eines Hundes immer wieder zu solchen Situationen kommen, die man weder vorhersehen, noch beeinflussen kann. Wählt man den Hund unter anderem auch aus diesem Aspekt heraus aus, tut man zumindest sein bestmögliches dafür, dem Hund ein relativ stressfreies Arbeitsleben zu ermöglichen.

Nichtsdestotrotz sollte man natürlich auch immer auf sein Bauchgefühl hören. Bauchgefühl und etwas Verstand beziehungsweise Beobachtungen unter den oben genannten Aspekten sind vermutlich die allerbeste Kombination bei der Hunde Auswahl.

 Bonnie begleitete mich ab ihrer 9. Lebenswoche in meine Wohngruppen und lernte ungezwungen und spielerisch ihr zukünftiges Arbeitsleben kennen.

Auch Chazzy stellte ich ihr Arbeitsleben schon früh vor und sie kam eine Woche nach der Abholung das erste Mal mit zur Arbeit. Von diesem Zeitpunkt an begleiten mich nun täglich 2 Hunde zur Arbeit.

Nun stellte sich für mich bald die Frage nach einer passenden Ausbildung. Hier stieß ich zunächst auf ein schier undurchdringliches Dickicht von Begriffen, Ausbildungen und Anbietern, die ich zunächst sortieren musste. Leider gibt es immer noch kaum Standards für die Ausbildung und keine geschützten Begriffe. In aller Kürze möchte ich die verschiedenen Ausbildungen kurz erklären:

 Therapiebegleithund:

Der Hund wird von Therapeuten/Pädagogen/Pflegekräften geführt. Die Arbeit erfolgt in enger Abstimmung mit Pflegern/Therapeuten/Pädagogen und ist immer Ziel gerichtet und unterstützt einen vorher fest gelegten Plan zur Entwicklung oder Erhalt bestimmter Fähigkeiten.

 Besuchs-/Streichelhund:

Der Hund unterstützt die Aktivierung und Abwechslung, gerade im

Behinderten-/ oder Senioren Bereich.

 Schulhund:

Der Hund unterstützt Lehrer oder Sozialpädagogen in der Schule und beeinflusst die Klassendynamik oder motiviert zum Lernen.

 Assistenzhund:

Diese speziell ausgebildeten Hunde leisten großartige Arbeit, in dem sie ihre Halter im Alltag begleiten und ihnen bei allem helfen, was durch eine Behinderung erschwert ist.

 Nachdem klar war, dass es eine Therapiebegleithundeausbildung sein würde ging die Suche nach dem geeigneten Ausbildungsinstitut los. Abraten möchte ich hier ganz klar von Wochenendkursen in irgend einer Hundeschule, bei denen weder die Dozenten Ahnung von der Materie haben, noch die Mensch-Hund Teams gut ausgebildet werden. Außerdem bin ich der festen Meinung, dass der menschliche Teil eines Therapiebegleithundeteams auf jeden Fall eine Ausbildung im sozialen oder therapeutischen Bereich haben muss, um qualitativ gute Arbeit zu leisten. Denn der Hund hat keine Ahnung von Störungs-/ oder Krankheitsbildern, von Entwicklungsdefiziten oder Traumata. Er unterstützt lediglich die Arbeit der Fachkraft an seiner Seite.

Von Vorteil ist definitiv, wenn das Ausbildungsinstitut unter einem größeren Dachverband organisiert und zertifiziert ist, da hier zumindest damit begonnen wird, einheitliche Standards für Ausbildung und Arbeit zu schaffen.

 Bei der Suche nach einer guten Ausbildung wird man zwangsläufig mit der Frage konfrontiert werden: Begleithundeprüfung- ja oder nein? Diese Frage kann ich ganz klar mit einem JEIN beantworten :-) Natürlich ist die Begleithundeprüfung gut dazu geeignet, den erworbenen Grundgehorsam seines Hunde belegen zu lassen und schadet natürlich nie. Allerdings sagt es nichts über die Fähigkeiten eines guten Therapiebegleithundes aus, ob der Hund nun ein paar Zentimeter näher oder weiter weg Fuß läuft, und schlicht und ergreifend eine bestimmte Abfolge auswendig gelernt hat. Die Institute geben ja letztendlich ihren eigenen Stempel auf die Prüfungsurkunde zum Therapiebegleithundeteam und sollten sich selbst ein Bild vom Grundgehorsam des Hundes machen. Für mich ist die Begleithundeprüfung für eine solche Ausbildung nur am Rande relevant. Bonnie und Chazzy haben sie nicht und werden sie vermutlich auch nie ablegen.

 Nach langer Recherche stieß ich auf das Münsteraner Institut für therapeutische Fortbildung und tiergestützte Therapie (MITTT), das genau meinen Anforderungen und Bedürfnissen entsprach.

Zunächst absolvierte ich 2 Theorie Wochenenden ohne Hund. Vorrangige Themen waren hier:

  • Lernverhalten und Lerntheorien des Hundes
  • Stresssignale und Übersprungshandlungen
  • Warum ist der Hund eine so tolle Unterstützung?
  • Hygienevoraussetzungen und Hygieneplan
  • Erste Hilfe am Hund
  • Rechtliche Voraussetzungen
  • Materialien

 Wenig später ging für die inzwischen 8 Monate alte Bonnie die praktische Ausbildung los.

Wir lernten verschiedene Möglichkeiten des Hunde Einsatzes kennen, verschiedene Materialien zu bedienen, das „Dreieck“ Klient-Fachkraft-Hund herzustellen, verschiedene Situationen und Klienten zu meistern, ruhig liegen zu bleiben (auch auf der Seite), herumfliegendes Futter und sogar einen vollen Futternapf zu ignorieren, obwohl der Hund alleine im Raum ist, und arbeiteten außerdem hart am Grundgehorsam. Sich auf Kommando in circa 30-40 Metern ablegen zu lassen, zu warten, dann auf Abruf sofort zu kommen, und sich auf ein leises „Platz“ auf halbem Weg aus vollem Lauf wieder hin zu legen ist schon die Königsdisziplin des Grundgehorsams. Meine Erfahrung: Meistert man das, schafft man alles :-)

 Nach knapp 10 Monaten Ausbildung stand für Junghund Bonnie und mich im Februar 2014 die Prüfung an. Diese bestand aus einer 90 minütigen Theorieprüfung für mich, einer praktischen Prüfung als Team, einer schriftlichen Abschlussarbeit und einer Videodokumentation unserer Arbeit mit Präsentation.

Bonnie meisterte das toll und nach bestandener Prüfung konnte unsere Arbeit richtig los gehen.

Allerdings haben wir nun die Auflagen, ein Gesundheitsheft zu führen und Bonnies Gesundheit alle 3 Monate vom Tierarzt überprüfen zu lassen und im Abstand von jeweils 2 Jahren eine Nachprüfung abzulegen.

Würde ich etwas anders machen? JA! Bei Chazzy werde ich mir definitiv mehr Zeit lassen und die Prüfung eher in Richtung 2 Jahre oder sogar 2,5 Jahre ablegen. Bonnie hat zwar eine astreine Prüfung hingelegt, dennoch merke ich, dass sie jetzt wesentlich gefestigter und souveräner ist, als mit zarten 18 Monaten.

Nun, wie sind meine Erfahrungen in der Arbeit mit Bonnie?

Es gib tatsächlich Erlebnisse, die mich sehr berührt haben. Sehr eindrücklich war die Reaktion eines tauben und blinden Mannes im Seniorenheim, der dadurch leider sehr von der Außenwelt abgeschnitten ist, der aber sofort reagierte und anfing sehr viel und schnell zu sprechen, als wir noch nicht mal richtig im Raum waren.

Wundervolle kleine Erlebnisse gibt es so viele und Bonnie fühlt sich Gottseidank bei der Arbeit genau so wohl wie zuhause.

Dennoch achte ich genauestens auf Stresszeichen und Übersprungshandlungen und nehme sie im Zweifelsfall IMMER aus der Situation. Wichtig ist, dass der Hund eine ruhige Rückzugsmöglichkeit hat, um zwischendurch entspannen zu können. Mehr als ein paar Stunden in der Woche aktiv zu arbeiten ist sehr anstrengend für jeden Hund. Nun laufen Bonnie und Chazzy auch einfach als Gruppenhunde im Alltag mit und können somit täglich dabei sein, trotzdem ist ein Ausgleich für die Arbeit extrem wichtig. Diesen finden wir in Spaziergängen, beim Frisbee Spielen und beim Dogdance.

Nicht verschweigen möchte ich, dass es nach wie vor sehr, sehr schwer ist, die Erlaubnis zu bekommen, seinen Hund mit in die Arbeit zu integrieren. Aber wenn man es wirklich möchte, sollte man mit einer gesunden Portion Hartnäckigkeit seinen Traum verfolgen – mit etwas Geduld klappt es dann auch.

Um zur positiveren Sicht auf den Hundeeinsatz beizutragen, sollte man aber eben dringend darauf achten, eine gute und fundierte (und dann leider auch teure) Ausbildung zu machen, Hygienevorschriften peinlich genau einzuhalten und mitzuhelfen, dass gewisse Standards im Therapiehundebereich Einzug halten.

Hunde haben erstaunliche Wirkungen und es kann nicht genug gut ausgebildete Teams geben!

 Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick in das Thema geben.

Wenn ihr mehr sehen möchtet, folgt uns gern auf unserer Facebook Seite „Therapiebegleithunde Bonnie und Chazzy“

 Liebe Grüße an euch alle

Britta, Bonnie und Chazzy

 

Britta, Bonnie und Chazzy

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© Carmen Schmid