Entspanntes Verhalten rechtzeitig trainieren statt als unkontrolliertes Jagen abgewöhnen.

Voraussetzung: 

  • Der Hund kennt Clicker oder Signalwort, damit wir sein Verhalten punktgenau bestätigen können. Der Einfachheit schreiben weiter unten „Click“, jeder kann natürlich sein eigenes Signal einsetzen.
  • Der Hund kennt den Handtarget, Blickkontakt und nach Möglichkeit einige einfach Signale wie zum Beispiel Sitz oder Pfote geben. Jeder Blickkontakt auf Wort oder jede Berührung des Handtargets werden sofort und sehr hochwertig belohnt. Wir trainieren das sehr häufig an verschiedenen Orten - im Garten, unter leichter Ablenkung und beim Spaziergang.
  • Trainingspartner: Menschen und diverse Hasen, Rehe, Ziegen oder Hühner  im Freigehege oder Kleintierzoo. (Bitte unbedingt mit dem Besitzer absprechen!)
  • Variable Belohnung: Käsewürfel, Fleischstückchen, aber auch harte Kekse, die der Hund länger kauen muss. Ball und Zergel sind nicht geeignet, wir möchten den Hund ja entspannen, nicht mit Beutespielen hochpuschen.

Unser erster Trainingspartner ist ein Mensch. Es darf gerne jemand sein, den der Hund kennt. Ziel ist, dass unser Hund sich beim Nahen des netten Menschen erst mal uns zuwendet. Also bitte nicht geizen mit Bestätigung! Bitte bedenken Sie, dass in diesem Fall „Nichtstun“ eine absolute Glanzleistung unseres Hundes ist. 

Der Mensch nähert sich und unser angeleinter Hund steht noch ruhig und entspannt - sofort Click und Belohnen. Unser Hund wird sich uns nun erfreut zuwenden, was sofort einen weiteren Click wert ist. Wir bewegen uns mit dem Hund, während die Ablenkungsperson sich nähert, in leichtem Bogen um uns herumläuft, und vielleicht sogar spricht. Jede ruhige Sekunde belohnen wir.

Bei besonders lebhaften Hunden ist es sehr sinnvoll, zwischendurch immer wieder große und harte Leckerchen zu benutzen. Kauen beruhigt und unser freudig aufgeregter Hund fährt herunter. Beobachten wir seinen Rücken und seine Rute, sehen wir genau, wie er sich entspannt. Der Rücken wird gerade, er belastet alle vier Pfoten gleichmäßig und seine Rute senkt sich leicht. Prima, das ist einen Click wert. Wird dieses Verhalten mit einem Wortsignal belegt lernt unser Hund schnell, sich in einer schwierigen Situation zu entspannen. Und das können wir dann wiederum sofort belohnen.

Wenn wir immer beim Füttern des harten Leckerlis ein Signalwort „easy, cool, quiet…“ sagen, tritt mit der Zeit bei unserem Hund allein durch das Hören des Wortes eine entspannte Stimmung ein. Wichtig dabei ist, dass wir dieses Verhalten weiterhin belohnen, damit es sich nicht ausschleicht. So wie unser Hund bei einem  „Freudenanker“ - zum Beispiel dem Rasseln des Schlüssels, dem Geräusch, wenn wir den Ball aus der Jackentasche holen, Vorfreude auf den Spaziergang oder Aufregung in Erwartung eines Ballspiels verspürt, wird er bei unserem Signalwort einfach entspannter sein.

Gehen Sie langsam vor: Jeder Click festigt das gewünschte Verhalten, jeder Misserfolg leider genau die andere Seite. Unser Training war genau dann erfolgreich, wenn es ganz unspektakulär abläuft.  

Sobald unser Hund entspannt ist, beginnen wir, kleinere Aufgaben wie Sitz, Platz oder Pfote geben abzufragen. Es soll einfach sein, wir wollen ja Erfolg haben und dem Hund vermitteln, das es ganz einfach ist, sich nicht aus dem Konzept bringen zu lassen. Und lohnenswert sowieso, deshalb belohnen wir Aktionen unter Ablenkung besonders lecker!

Es ist sehr hilfreich, beim Spaziergang oder Freilauf die Aufmerksamkeit zum Menschen zu belohnen. Dazu einfach kurz stehenbleiben oder Richtung wechseln, unser Hund schaut fragend: Click und Superfutter!! Wir clicken 4-6 x nur den Blickkontakt, dann fragen wir ein zwei einfache Übungen ab, belohnen und schicken den Hund mit „fertig oder Feierabend“ wieder los. Das Ziel ist, dass unser Hund generell beim Spaziergang auf uns achtet, das heißt aber auch, dass wir ihm ein positives Feedback geben wenn er das tut. Und dass wir ihm eine Alternative bieten für Jagen, Stöbern, Stromern. Zwei Slalomschritte, um einen Baum rumschicken, Balanceübungen auf Baumstümpfen oder Steinen, da können wir kreativ sein.

Es erfordert einige Trainingseinheiten bis wir uns dem eigentlichen Trainingspartner, dem Beutetier nähern können. Bis dahin müssen wir die Spaziergänge so gestalten, dass unser Hund nicht ständig vor unlösbaren Aufgaben steht. Wir meiden wildreiche Wiesen und verlockende Waldwege entweder oder wählen die Distanz dazu so, dass unser Hund noch nicht auf den Jagdtrip kommt. Das ist manchmal zeitraubend und erfordert gute Planung, aber es lohnt sich.

Nun verlegen wir das Training an den Hasenauslauf und den Streichelzoo. Dort können wir das Umfeld nämlich gut kontrollieren. Die Verlockung ist räumlich  eingegrenzt und taucht auch nicht urplötzlich vor der Nase unseres Hundes auf.  Wieder beginnen wir in großem Abstand, belohnen Ruhe und Entspannung. Sobald unser Hund in dieser reizvollen Umgebung ruhig und gelassen bleibt, beginnen wir genau hier mit einem abwechslungsreichen Abfragen verschiedenster Aufgaben. Der Handtarget und direkter Blickkontakt zu uns sind wunderbare Werkzeuge, den Hund auf uns zu konzentrieren wenn die Versuchung zu nahe kommt, oder zu stark zu werden droht. Eine hochwertige Belohnung versteht sich von selbst. Danach  vergrößern wir die Distanz wieder. Wir können uns auf eine Bank in der Nähe setzen, scheinbar ein Buch lesen oder in der Sonne dösen und unseren Hund für jede ruhige und entspannte Situation belohnen.

Einige Hundetypen werden als besonders schwierig in Punkto Jagdverhalten bezeichnet. Schauen wir sie doch genauer an:

Für Beagle, Bracke und Co ist das Schnüffeln ein Lebenszweck. Terrier lieben es, zu stöbern, sie können stundenlang verharren und auf Beute warten.

Aber ein Beagle wird lernen, sich bei Kontakt mit Wildspuren entspannt zu verhalten und der Terrier kann durchaus mit ruhigem Puls in wildreichem Gebiet Gassi gehen. Wir trainieren mit olfaktorischen Versuchungen genauso wie mit hoppelnden Hasen.  Unser Jagdhund kann durchaus lernen, bei verlockenden Gerüchen und wehendem Fuchsschweif nicht aus dem Häuschen zu geraten. Wir müssen nur die Freudenweg-Leitziele nutzen, um unser Training zu überprüfen.

Schwieriger wird es bei Hunden mit Jagderfolg. Ob Maus, Hase oder Huhn, eine erfolgreiche Jagd bleibt für unseren Hund ein unvergessliches Erlebnis. Diesem Hund mehr Gelassenheit zu vermitteln ist eine große Herausforderung. Nehmen Sie sich Zeit, das Entspannungssignal zu festigen. Um das Freudenweg-Leitziel Erfolg zu erreichen, ist es wichtig, in ganz kleinen Schritten vorzugehen. Steigern Sie den Reiz nur sehr langsam und verringern Sie ihn immer wieder.

Aber Vorsicht: Damit ein unverhofftes Jagdglück nicht wieder alles zunichte macht, was Sie mühsam aufgebaut haben, sollten Sie Ihren Hund über einen sehr langen Zeitraum mit der Schleppleine absichern.

Nicht immer haben Sie die Chance, Ihren Hund vom Welpenalter an zu trainieren. Natürlich gibt es auch Hunde, deren Jagdverhalten Sie niemals wirklich kontrollieren können. Aber auch als Besitzer eines dieser Hunde können Sie Ihre gemeinsame Zeit aufwerten, Ihre Spaziergänge auch an der Schleppleine freudvoller und entspannter gestalten. 

Wir lassen keine Gelegenheit zum Training aus: Die Nachbarskatze am Zaun, der Vogelschwarm am Feldrand, die Ziegenherde bei der Wanderung, das alles sind hilfreiche Trainingspartner wenn wir jagdliche Ambitionen bei unserem Hund gar nicht erst aufkommen lassen wollen. 

Nach einem erfolgreichen Training findet er Hasen und Rehe generell nicht mehr so spannend, weil er gelernt  hat, sich beim ihrem Anblick oder Geruch ganz ruhig und relaxed zu verhalten.

All das hört sich vielleicht nach viel "Arbeit" an, aber es macht uns und dem Hund einen riesen Spaß, ist unglaublich lohnenswert und es klappt, auf eine friedliche, liebevolle Art und Weise!

Ein weiterer ganz wichtiger Aspekt ist das zuverlässige Kommen, auch hier nutzen wir einen „Freudenanker“. Selbst wenn Ihr Hund bereits ein Rückrufsignal hat und „eigentlich“ auch darauf hört, empfiehlt es sich, mit einem weiteren Signal ein freudiges, schnelles Kommen zu trainieren.

Mehr darüber lesen Sie im Beitrag „Komm!“ nächste Woche im Freudenweg Blog.

 

Viel Vergnügen mit Hase & Co!

 

 

 

 

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© Carmen Schmid