Daisy war eine wunderhübsche weiße Kleinpudelin – und der freundlichste, unkomplizierteste Hund, den ich je gekannt habe…

Sie kam in unsere Familie, als sie 10 Wochen alt war, mein ältester Sohn war damals acht Monate alt. Ein denkbar schlechter Zeitpunkt, einen Welpen ins Haus zu holen, denn ich hatte auf einen Schlag zwei Krabbelkinder!


Aber von Anfang an fügte sich das kleine weiße Fellbündelchen ganz problemlos in unseren Familienalltag. Daisy war gewissermaßen „naturbrav“, hatte sie auch nur den Hauch einer Ahnung, was man von ihr wollte, dann machte sie das auch – ohne wenn und aber.


Sie war im Haus sehr ruhig, bellte selten, lief uns auch nicht ständig hinterher, man merkte kaum, dass sie da war. Draußen aber war sie eine fröhliche, unkomplizierte Begleiterin, mit der wir sehr viel Spaß hatten.

Die Kinder durften wirklich alles mit ihr anstellen, ich musste eher den Hund vor den Kindern schützen als andersherum…. So erinnere ich mich an eine Situation, die wirklich typisch für ihre Persönlichkeit war: Daisy war vielleicht ein halbes Jahr alt, als sie vor meinem Sohn saß und der ihr mit einer Rassel immer wieder auf die Nase schlug und offenbar viel Spaß dabei hatte….. Daisy sah nicht sehr glücklich aus, sie hätte weglaufen können, aber sie blieb und ihr Blick schien zu sagen: Ich mache hier meinen Job, er will das jetzt so und ich muss das aushalten...  Natürlich befreite ich sie sofort aus der Situation!!!!

Sie war auch mit anderen Hunden völlig unkompliziert. Sie war ein wenig rassistisch, spielte am liebsten nur mit anderen Pudeln, die meisten anderen Hunde wurden ganz einfach ignoriert. Besucher mit Hund konnten einfach so in unser Haus kommen. Daisy verteidigte weder ihr Revier noch andere Ressourcen. Der fremde Hund durfte an ihr Futter, an ihre Spielsachen, wir durften ihn anfassen – alles ok. Ihre einzige Bedingung war, dass sie selbst nicht belästigt wurde. Das waren die einzigen Situationen, wo sie wirklich mal knurrte und auch giftig werden konnte…..

Ich ging ca. ein Jahr lang mit Daisy auf den Hundeplatz, zunächst Welpengruppe und dann übten wir für die Begleithundeprüfung, die wir dann aber nie ablegten. Aus Zeitmangel beendeten wir das Training. Daisy hatte einen guten Grundgehorsam (wie schon gesagt: Sie war ja naturbrav!), und das reichte uns völlig aus.
Wir machten keinerlei Hundesport mit ihr, beschäftigten sie nicht außer dem „normalen“ Gassigehen und dem chaotischen Familienalltag. Sie war ein Familienhund und schien damit völlig zufrieden zu sein, immer und überall Dabeisein zu dürfen.
Sie wurde 16 Jahre alt. Am Ende hätte eines ihrer Augen wegen eines Glaukoms entfernt werden müssen, das andere Auge war aber auch schon verändert und ihr Allgemeinzustand war nicht gut…… So entschieden wir, sie gehen zu lassen….. Der Tierarzt kam ins Haus und ihre vier liebsten Menschen gaben ihr das Geleit für ihre letzte Reise…  Unsere süße Daisy-Maus, unser Schäfchen, sie ist und bleibt unvergessen, in unseren Herzen hat sie einen „für immer und ewig“-Platz.

Aus heutiger Sicht sage ich: Daisy war ein absoluter Traumhund!!!
Ja, ich habe sie sehr geliebt und oft genug war es mir auch bewusst, was für ein wunderbarer Hund sie war. Aber irgendwie war sie eben doch eher ein Schäfchen als ein Hund…… Ich sagte oft: „Daisys Seele wollte wohl ein Schäfchen werden und ist aus Versehen in einem weißen Pudelfell gelandet!“ Heute glaube ich, es war kein Versehen…. Sie war ein Geschenk!

Aber – ganz ehrlich – ich wusste ihre Unkompliziertheit damals nicht so wirklich zu schätzen… Ich fand sie manchmal langweilig…… So gar keine erzieherische Herausforderung… Sie war da, sie funktionierte, sie war immer lieb…

Erst später, als „richtige“ Hunde in meine Leben kamen, die sich eben auch wie „normale“ Hunde verhielten, wurde mir so richtig bewusst, dass Daisy der absolut perfekte Familienhund gewesen ist. Sie war immer für uns da und meinen Jungs eine wunderbare vierbeinige Schwester. Sie war ein verlässlicher Ruhepol im hektischen Familienalltag!

Wenn sich Hundeleute unterhalten, dann kokettieren sie gerne mit den Macken und Problemen ihrer Hunde… Das was gut funktioniert, wird verschwiegen oder kleingeredet, es sei denn wir können es uns als tolle Trainingsleistung selbst zurechnen…..
Aber sollten wir nicht lieber dankbar sein für all das, was uns unsere Hunde „einfach so“ schenken?

 

   
© Carmen Schmid