Mein Name ist Samira und ich bin ein 4 Jahre altes Doggenmädchen.

Mein Start ins Leben war anfangs eigentlich gar nicht so übel. Ich wuchs mit meiner Schwester und meinen Eltern in einer Familie auf. Doch dann änderte sich plötzlich alles.

Es roch immer öfter nach Alkohol, die Launen unserer Menschen wurden immer unberechenbarer und schließlich wurden wir vergessen. Wir waren uns selbst überlassen, bekamen unsere Menschen selten zu sehen. Manchmal stellte man uns einen Napf mit Futter hin, manchmal wurden wir einfach nur angebrüllt und geschlagen. Die meiste Zeit waren wir aber allein. Wir träumten von der Welt da draußen. Wie es wohl vor der Tür aussehen mag?

Und wir träumten von Essen. Ich versuchte so gut es ging in unserem kleinen Reich Nahrung zu finden, klaute Konserven und bekam meist dafür Ärger.

Irgendwann verschwand unsere Mutter. Unser Vater konnte sich vor Schwäche kaum noch auf den Beinen halten. Unsere knurrenden Mägen ließ unsere Laune auf den Nullpunkt sinken und ich zankte mich immer öfter mit meiner Schwester. Ja wir haben uns teilweise richtig gebissen. Aber unsere Wunden wurden nicht versorgt. Wir wurden einfach vergessen.

Es wurde Winter und es war kalt. Unser Futternapf war gefüllt mit Schnee. Dabei hatte es schon lange nicht mehr geschneit. Unser Vater hatte den Kampf aufgegeben. Sein Herz hörte auf zu schlagen. Er war jetzt bei unserer Mutter an einem besseren Ort. Auch wir waren mit unseren Kräften am Ende. Es ging im Menschenhaus wieder sehr laut zu. Plötzlich öffnete sich die Tür zu unserem Elend. Menschen in Uniform betraten unser kleines Reich. In ihren Gesichtern war das blanke Entsetzen zu sehen, als sie uns erblickten. Ja unser Anblick war ein Grauen. Zwei bis auf die Knochen runter gehungerte Doggen mit Bisswunden übersät, schwach neben ihrem toten Vater liegend. Sie nahmen uns mit und brachten uns in ein Heim für heimatlose Hunde. Dort versorgte man unsere Wunden, fütterte uns und war freundlich und sehr nett.

Eines Tages bekam ich Besuch von zwei Menschen und zwei stattlichen Rüden. Oh ja, sie waren so schön, wie einst mein Vater es mal war. Und sie waren freundlich. Die Menschen hatten Futter bei und sie schenkten mir Blicke der Liebe und Güte. Ich fasste sehr schnell Vertrauen und begriff, das ist meine Chance, die Welt da draußen kennen zu lernen und nie wieder Hunger leiden zu müssen. Also zeigte ich mich von meiner Schokoladenseite und ich durfte mit.

Jetzt begann für mich ein Leben voller Abenteuer. Sie zeigten mir das Meer, Wälder und Wiesen. Ach wie toll das alles duftet. Sie nahmen mir die Angst vor den Menschen in Weiß. Und es gab genug zu essen. Ich muss nicht mehr Nahrung klauen. Mittlerweile bin ich sogar manchmal etwas mäklig und sag auch mal: “och nö, das schmeckt mir nicht.“ Denn ich weiß, ich bekomme jeden Morgen und Abend einen vollen Futternapf ganz für mich allein.

Ich bin nicht ganz einfach. Ich hab so meine Probleme mit fremden Hunden. Ich mag sie einfach nicht in meiner Nähe haben. Aber meine Menschen lieben mich und respektieren es. Ja wir haben es versucht, aber meine Angst und der damit verbundene Stress sind einfach zu groß. Am wohlsten fühle ich mich in meiner kleinen bunten Welt gemeinsam mit meinen Rüden und meinen beiden Menschen, täglich meinen gefüllten Futternapf und die Welt ist für mich in Ordnung.

Wenn ich einen Wunsch frei habe, wünsche ich mir, dass ich aus diesem Traum nie wieder erwache und meine Familie ewig lebt. Ich war an einem Punkt in meinem Leben, wo ich die Hoffnung verlor und bereit war, mich aufzugeben. Doch dann fand ich das Paradies auf Erden. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Man darf sich niemals aufgeben und sollte immer an das Gute glauben und sein Glück festhalten und jeden Moment genießen.

 

Liebe Grüße

Eure Samira

 

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© Carmen Schmid