Nachdem mein erster Puli Nugget leider früh verstarb und mir seine Fröhlichkeit sehr fehlte, da brauchte mein Herz wieder einen kleinen lebensfrohen Puli. Ich liebe diese Lebensfreunde der Pulis und will sie nie wieder missen. Das ist der Hauptgrund warum ich mich für diese außergewöhnliche Rasse entschieden habe.
Ich fand eine liebe Züchterin in der Nähe und die Zuchthündin war mit meinem Nugget verwandt, so kam nur ein Welpe von ihr in Frage.
Den Tag als sie anrief, dass mein kleiner Puli geboren wurde, werde ich nie vergessen.

Ich weinte vor Glück und ich suchte sofort nach einem Namen.
BENJI – Bedeutung: Sohn des Glücks – sollte er heißen und er sollte immer Glück haben in seinem Leben.
Im Alter von 3 Wochen besuchten mein Partner und ich die Welpen das erste Mal und wir waren uns sofort sicher, dass es der kleine maskenfalbene Rüde werden sollte. Das war nun unser Benji. Benji lief sofort auf uns zu uns schlief später in meinen Armen ein. Ich liebte ihn sofort, genauso wie er war und er liebte uns. Ich besuchte ihn mehrmals die Woche und wir bauten früh eine Beziehung auf. Er war einfach perfekt.


Benji war schon als er sehr klein war sehr neugierig und der aktivste Welpe im Wurf und so kam es leider, dass er im Alter von 5 Wochen die Treppe vom ersten Stock bis in den Keller fiel. Wir wissen bis heute nicht wie er aus der Welpenbox kam. Die Züchterin suchte ihn sofort, fand ihn nicht und als sie nach ihm „Benji“ rief, da hörte sie ein leises Bellen unter dem Schrank. Der kleine Welpe musste sofort zum Tierarzt und es war nicht sicher, ob er bleibende Schäden davontragen würde. Ich hätte mir einen anderen Welpen aussuchen können, der sicher gesund ist, aber es war schon MEIN BENJI und das blieb er auch. Große Schäden behielt Benji nicht und er überlebte.
Mit 8 Wochen holten wir ihn ab. Er war so winzig mit seinen ca. 2kg, aber vom Charakter ein ganz großer und das ist er noch bis heute.
Ich erwartete keine großen Leistungen von Benji, da sein Puli-Vorgänger nicht so schnell im Denken war, doch dann wurde ich sehr überrascht wie schnell Benji lernte und wie viel Spaß es ihm machte. Ich war sogar anfangs etwas enttäuscht, weil ich mich so darauf freute ihm die Grundkommandos beizubringen und dann war das nach einer Woche schon vorbei. SO kamen wir zu den ersten Tricks :-) und es folgten immer weitere und ich beschloss mit Benji Hundesport zu machen, weil ein so kluger Puli gefördert werden müsste. Ich befragte eine befreundete Hundesportlerin die mit ihrer Pulihündin sehr erfolgreich Agility lief und sie riet mir vom Agility mit Benji ab. Sie sagte zu mir ich solle mal „Dogdance“ googlen, das würde viel besser zu meinem Benji passen, weil er so gerne und schön Tricks zeigt und ich war sofort begeistert von dieser schönen und kreativen Sportart. Im Wohnzimmer wurde sofort auf die erste kleine Choreografie hintrainiert.

Von Turnieren wusste ich nichts, bis mir eine andere Freundin vom Turnier in Dachau erzählte und schon waren wir für die Funklasse Beginner gemeldet.
Ich war sehr nervös und Benji spürte es. Ohne Erfahrung machte ich auch noch viele Fehler und hatte nicht mal Futter dabei, weil in den tollen Videos im Internet auch nicht gefüttert wurde. Benji lief mir gleich zu Beginn der Choreografie weg um die Leckerlis der Vorgänger einzusammeln. Mit seinem Ball in der Hand brachten wir die Choreografie noch relativ gut hinter uns und ich musste vor Erleichterung wieder ein paar Tränen vergießen.
Wer mich kennt, der weiß: ich bin sehr nah am Wasser gebaut. ;-)

Unsere Dogdance-Karriere nahm seinen Anfang und schon nach dem ersten Start wurde mir ans Herz gelegt, es lieber sein zu lassen mit meinem sturen kleinen Puli. Ich dachte aber gar nichts ans Aufhören und überlegte gleich wie ich es besser machen könnte. Die Richterbewertung machte mir sehr Mut, sie war zwar allgemein nicht besonders gut, aber als Team hatten wir ein „außergewöhnlich“ und darauf war ich besonders stolz.
Wenn man als Team zusammenpasst und hält, dann schafft man die anderen Hürden auch noch!
Es kamen viele Hürden und über jede einzelne bin ich froh, da ich aus ihnen lernen durfte.

Im Jahr drauf starteten wir das erste Mal in der offiziellen Klasse und ich wurde gleich mit dem letzten Platz belohnt. Mir war meine Nervosität wieder sehr im Weg und Benji toleriert das nicht. Jedoch blieb das Turnier sehr positiv in meinem Gedächtnis, denn ich war dort mit einer neuen Dogdancefreundin, die nicht weit weg von mir wohnte und die ich bis heute noch sehr in meinem Leben schätze. Ich werde nie die lustige gemeinsame Zeit vergessen, und dass wir so gelacht haben beim Abendessen, bis uns die Tränen kamen.

Niemals hätte ich uns als Dogdance-Team aufgegeben und ich übte weiter, machte eine neue Choreografie und startete immer wieder. Nur 4 Monate später tanzten wir uns das erste Mal aufs Treppchen und ich freute mich soooo riesig! Mein Ziel war es nur einmal einen Pokal mit Benji zu schaffen und ich weinte wieder vor Freude. ;-)

Ich liebe es neue Choreografien zu planen und zu üben. Benji lernt sehr schnell und so war dies gar kein Problem. Als die Sparte Heelwork to Music gegründet wurde, da machte ich sofort eine schöne HTM-Choreo und freue mich zwei Choreos parallel zeigen zu können.

Da HTM noch neu war, gab es kaum deutsche Teams die gerne zur OEC wollten und eine liebe Dogdancerin aus dem Saarland sagte ich soll doch auch melden, damit ein Team zustande kommt, denn es werden 5 Starter benötigt. Benji qualifizierte sich somit leicht für die OEC, als er 3 Jahre alt war. Zu Beginn waren wir noch Reservestarter, doch dann rückten wir wegen einer Absage ins Team vor. Mentales Training war angesagt! Ich arbeitete sehr viel an mir selbst, damit ich es Benji leichter machen konnte und habe es geschafft. Der OEC-Start war einer meiner mental stärksten Starts und ich fühlte mich wohl. Ich bin um diese Erfahrung sehr froh, denn es war Anlass, um an mir zu arbeiten. Meine Nervosität tat mir und meinem Hund nicht gut.

4 Monate vor der OEC hatte Benji damals Leistungseinbrüche und ich konnte mir nicht erklären wie es dazu kam, denn ich arbeitete immer positiv über viel Motivation und mit Spaß mit ihm. Der Gang zum Tierarzt war angesagt und ich ließ ein Blutbild machen. Der Tierarzt konnte das Ergebnis nicht glauben und machte 3 Wochen später nochmal einen Bluttest, aber es war klar: Benji hatte eine Schilddrüsenunterfunktion und der Wert war so tief, dass er nicht mehr messbar war.
Anfangs war es ein Schock für mich, ich musste mich in die Materie einlesen und Benji musste auf seine Tabletten eingestellt werden, doch dann war alles wieder beim Alten und Benji konnte auf Turnieren wieder zeigen war er kann.

Wir hatten viele Hochs und Tiefs im Sport. Wir durften oft auf dem Treppchen stehen und ich durfte auch oft spüren wie es ist zu verlieren. Es ist wichtig zu lernen zu verlieren, deswegen bin ich sogar auch um diese Erfahrungen froh.
Benji wird nie ein leichter Hund im Sport werden, denn er macht nur mit, wenn er sich wohl fühlt und für ihn alles passt. Wenn etwas nicht ok ist, dann macht er nicht gut mit und das darf er auch. Er gibt eben sein bestes in der jeweiligen Situation und damit kann man dann nicht immer vorne mit dabei sein.
Wir müssen ein Leben lang an seiner Motivation arbeiten, denn sonst findet er schnell andere Dinge interessanter und lässt mich stehen.
Mit Strafen will und kann ich mit ihm nicht arbeiten, denn dann würde der sensible und sture Puli nicht mehr mitmachen und ich fühle mich dabei ebenfalls nicht wohl.
Ich lasse ihn sogar Kommandos verweigern, denn er zeigt mir so sehr schnell, wenn es ihn wo zwickt und dann wird er ordentlich behandelt.
Er wurde mir auch schon mehrmals gebissen und einmal musste er eine Hundebegegnung fast mit dem Tod bezahlen, deswegen reagiert er auf fremde Hunde nicht immer positiv und es ist für mich in Ordnung, dass er eine größere Individualdistanz benötigt. Ich selbst bin davon ebenfalls etwas traumatisiert. Ich bekomme es nicht mehr aus dem Kopf, als ich dachte er sei tot und ich ihn vom Boden aufheben musste. Über seinen Schrei nach der Schockstarre war ich so erleichtert und ich fuhr mit dem blutenden jungen Puli zum Tierarzt. Das will ich nie wieder erleben müssen. Benji spürt meine Angst und geht schützend vor mich bei anderen Hunden und versucht sie zu verbellen. Er möchte aber auch von sich aus zu bestimmten Hunden keinen zu nahen Kontakt und das verstehe ich.

Im Sport habe ich viele tolle Menschen kennengelernt und auch solche von denen ich mich lieber distanziert habe. Mir wurde oft gesagt, dass Benji das oder jenes nie schaffen wird. Ein Trainer sagte mal zu mir, dass Benji nicht dafür geeignet ist nah zu arbeiten. Eine andere Trainerin meinte er wäre langsam im Denken. Andere Leute sagten, Benji wäre nie bei einem großen Turnier wie einer Meisterschaft oder Qualifikation vorne dabei, er hat nicht das hohe Niveau und er wäre kein Klasse3-Hund/HTM-Hund/Freestyle-Hund…
Ich hab mir leider vieles angehört und sehr zu Herzen genommen, aber nie hab ich aufgehört zu träumen und habe Benji nie aufgegeben. Ich bin generell sein ein emotionaler Mensch und nehme mir fast alles zu Herzen, auch wenn es nicht mal logisch ist.
Es gibt aber auch Menschen dir mir sehr den Rücken gestärkt haben und mir durch schwere Zeiten halfen, diejenigen wissen es hoffentlich, dass ich sie meine und ich will mich an dieser Stelle dafür sehr bedanken.
Im April auf der OEC-Qualifikation tanzte ich mit Benji eine HTM-Choreografie auf ein Lied und ein Konzept, dass ich erst nur für mich privat ausgedacht hatte. Ich zeigte es auch vorher nicht wirklich jemanden. Nur meine Mama und eine Freundin sahen die Choreografie beim Training. Die Choreografie entstand in einer schweren privaten Zeit und ich verarbeitete in ihr meine Trauer… ich entschied diese Choreografie auf der Qualifikation zu zeigen, weil es mir aus unterschiedlichen Gründen gut tun würde und ich sie doch gerne zeigen wollte.
Ich dachte, ich hätte damit keine Chance, weil das Konzept nicht zu einem Puli passt und ich leider der Meinung war, dass wir nicht gut genug wären. Ich habe mir vieles einreden lassen mit der Zeit.
Ich tanzte mit meinem Seelenhund meine Choreografie, Benji war großartig und es fühlte sich so gut an. Wieder mal musste ich vor Rührung bei der Schlussposition weinen. Ich danke Benji sehr für diesen Tanz.
Bei der Siegerehrung kamen mir schon die Tränen, als ich wusste, wir wären im Team und konnte es nicht fassen, was wir geschafft haben: Platz 1 auf einer Qualifikation in Klasse3.
Wir haben das geschafft, was wohl niemand von uns erwartet hatte.
Ich bin so glücklich darüber, dass wir nie aufgegeben haben.
Benji hat seit dem ersten Treffen einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen und ich würde ihn niemals aufgeben, egal was noch alles passiert.

Ich bin Benji für so vieles dankbar, er hat mein Leben sehr verändert.
Durch ihn habe ich meine Berufung und Leidenschaft als Hundetrainerin entdeckt.
Durch ihn haben sich Beziehungen innerhalb meiner Familie sehr verbessern können.
Durch ihn habe ich so viele wertvolle Menschen kennenlernen dürfen.
Durch ihn durfte ich so viel lernen.
Durch ihn durfte ich so tolle Momente erleben.

Danke mein kleiner Herzens- und Glückspuli ❤ Danke für alles!

(Und natürlich flossen wieder ordentlich Tränen, als ich dies für Euch schrieb. ❤ )

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© Carmen Schmid